Das Mass aller Dinge scheint unter Jugendlichen das Gymnasium zu sein?
Dabei ist die Berufslehre eine gute Alternative. Fakt ist, dass zwei Drittel der Jugendlichen heute in der Schweiz eine Lehre absolvieren. Es ist ein Mythos, dass alle eine akademische Karriere anstreben. Für mich – und wir haben es von allen Berufsleuten bei Rapp ebenfalls gehört! - ist die Lehre nach wie vor der Königsweg, denn man lernt einen Beruf von der Pike auf. Und die Lehre als Zeichner:in zeigt exemplarisch auf, dass man sich später weiterbilden kann und auch ein Studium drin liegt.
Inwiefern können Lehrerinnen und Lehrer die Heranwachsenden in ihren Entscheidungen beeinflussen?
Der Grad der Beeinflussung hängt immer von vielen Faktoren ab. Beispielsweise wie das Verhältnis der Jugendlichen zu den Eltern ist oder wie es mit der Lehrstellensuche in den jeweiligen Klassen aussieht. Aber es ist nach wie vor so, dass die wichtigen Entscheidungen in den Familien getroffen werden. Der Einfluss der Lehrpersonen ist dann gross, wenn Bezugspersonen fehlen. Zudem können Lehrerinnen und Lehrer attraktive Projektwochen gestalten, in denen sie ihre Schülerinnen und Schüler auf die Berufswahl vorbereiten.
Fachkräftemangel beschäftigt einige Branchen. Auch die Rapp AG sucht händeringend immer nach Nachwuchs. Was müssen die Unternehmen tun, damit sie für die Jugendlichen attraktiver werden?
Unternehmen sind heute sehr einfallsreich, wenn es um das Buhlen von Jugendlichen geht. Mit manchmal abstrusen ‘Goodies’, versuchen sie neue Lernende für sich zu gewinnen. Das bedaure ich sehr, denn es setzt auf die falschen Anreize. Wir von der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung finden, dass man über Informationen und Transparenz den Weg in die Lehre finden soll. Was interessiert mich? Wie möchte ich meine Stärken einbringen? Wie sieht das Weiterbildungsangebot nach der Lehre aus? Solche Fragen sollten im Vordergrund stehen. Deshalb sollten alle Jugendlichen Möglichkeiten bekommen, selber zu entdecken, was alles hinter einem Lehrberuf steht.