Und der Mehrwert?
Es entsteht ein grosser Mehrwert, wenn es uns gelingt, verschiedenste Mobilitätsdaten zu verknüpfen und damit in Kombination nutzbar zu machen. So ist die öffentliche Hand heute oft mit der Situation konfrontiert, dass sich ihre bestehenden Daten zum Verkehr nur mit grossem Aufwand gemeinsam nutzen lassen. Verkehrsnetz CH kann zum Beispiel einer Stadt neue, wertvolle Möglichkeiten in der Verkehrsteuerung eröffnen, indem sich zukünftig ihre Baustelleninformationen mit ihren Verkehrsmanagementplänen oder weiteren Daten verknüpfen lassen, auch wenn diese historisch gewachsen auf unterschiedlichen Grundlagedaten aufgebaut wurden.
Wie muss man sich den Aufbau von Verkehrsnetz CH vorstellen?
Das Verkehrsnetz CH ist ein Schnittstellenprojekt. Neben einer ständig aktuellen Datengrundlage braucht es eine Organisation, die den Datenaustausch regelt und ein System zur Verfügung stellt, welches nicht nur frei zugänglich sein wird, sondern die Daten Dritter auch kombinierbar macht. Die Projektleitung hat swisstopo übernommen, die technische Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit beauftragten Fachspezialisten aus der Privatwirtschaft. Zudem wird das Projekt von den Bundesämtern ARE,
ASTRA, BAV und BFS eng begleitet. Eine ständige Abstimmung mit den Konzeptverantwortlichen der NADIM gehört auch dazu.
Wie schafft man einen gemeinsamen Nenner für Mobilitätsdaten?
Um die räumlichen Daten verknüpfen zu können braucht es unter anderem ein definiertes Regelwerk für den Datenaustausch. Der gemeinsame Nenner ist das sogenannte Basisnetz. Dieses ist ein einfaches topologisches und geometrisches Kanten-Knoten-Flächen-Modell, das alle Verkehrswege – vorerst Strasse, Schiene, Wasser, Seilbahn – digital und vernetzt abbildet. Dieses Basisnetz steht allen zur Verfügung. Darauf können mit den Werkzeugen von Verkehrsnetz CH die unterschiedlichsten Fachinformationen der Nutzerinnen und Nutzer referenziert werden, unabhängig davon, ob diese auf einer anderen Geodatengrundlage aufgebaut vorliegen.
Das Basisnetz dient also als räumliche Referenz für andere Netze?
Richtig. Die Koordination von Verkehrsnetz CH erfolgt zentral, doch die Quelldaten bleiben im Besitz der ursprünglichen Eigentümer/innen. Sofern diese zustimmen, können auch alle anderen auf ihre Daten zugreifen. Wir werden also keine Apps entwickeln und auch keine Daten sammeln. Wir stellen mit dem Basisnetz als gemeinsamen Nenner und mit Hilfe weiterer Systemkomponenten von Verkehrsnetz CH aber einen Bezug zwischen ihnen her, um darüber zuverlässig und hochautomatisiert mehrere Fachnetze miteinander zu verknüpfen. Das ermöglicht den Austausch und die Kombination der Daten für bestehende und neue Anwendungen, was bisher nicht oder nur mit sehr hohem Aufwand realisierbar war.
Wann planen Sie die Inbetriebnahme?
Aktuell läuft die Realisierung des Systems und die Entwicklung erster operativer Elemente, gemeinsam mit verschiedenen Partnern. Die Inbetriebnahme von Verkehrsnetz CH hängt auch vom politischen Prozess ab: Heute gehen wir davon aus, dass die benötigte Rechtsgrundlage Ende 2025 in Kraft tritt und wir Verkehrsnetz CH anschliessend in den Betrieb überführen können.