GL-Stadler René
© Michael Kunz

Vom Blindbewerber zum Rapp-Urgestein

1994 begann alles mit dem Tipp eines Studienkollegen, einer Blindbewerbung und erstaunlich vielen Apple-Computern auf den Schreibtischen. Daraus wurden mehr als drei Jahrzehnte bei Rapp. René Stadler spricht bevor er in den Ruhestand tritt über Teamgeist und Nachwuchsförderung, über KI und Fachkräftemangel und darüber, weshalb ein gutes Miteinander für ihn letztlich wichtiger ist als jeder noch so perfekte Karriereplan.

René, wenn du auf deine Zeit bei Rapp zurückblickst: Was geht dir als Erstes durch den Kopf?

Eine Firmenkultur, die von familiärem Miteinander, Wertschätzung und Nähe zu den Mitarbeitenden geprägt ist. Und eine Kultur, die weit über die eigenen Bürowände hinausreicht: in die Zusammenarbeit mit all den Menschen, die über die Jahre gemeinsam Projekte gedacht, geplant und umgesetzt haben, mit Mitarbeitenden ebenso wie mit externen Partnerinnen und Partnern.

Was hat dich gereizt, im fernen 1994 bei Rapp durchzustarten? 

Eigentlich begann alles mit einem Tipp meines Studienkollegen Reto Rotzler. Frisch nach dem Studium machte er mich auf Rapp aufmerksam und ich schickte einfach einmal eine Blindbewerbung los. Beim anschliessenden Vorstellungsgespräch genügte dann schon der Rundgang durchs Büro, um mein Interesse endgültig zu wecken: Die Atmosphäre war kollegial und unkompliziert, und auf erstaunlich vielen Schreibtischen standen Apple-Computer. Für mich damals durchaus ein Argument. So begann mein beruflicher Weg bei Rapp.

Daraus sind mehr als drei Jahrzehnte vergangen. Hättest du dir das damals vorstellen können? 

Nein, einen grossen Karriereplan hatte ich damals überhaupt nicht. Nach dem Studium ging es mir erst einmal darum, im Berufsleben Fuss zu fassen und an einzigartigen Projekten mitarbeiten zu können. Bei Rapp fühlte ich mich jedoch vom ersten Tag an wohl. Und ziemlich schnell stellte sich dieses besondere Gefühl ein: Das hier könnte nicht nur mein erster Arbeitgeber sein, sondern einer fürs Leben.

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René Stadler (Jg. 1964) ist diplomierter Bauingenieur ETH/SIA und seit vielen Jahren in der Welt der Infrastruktur und Nationalstrassen zuhause. Bei Rapp leitete er von 2000 bis 2010 das damalige Büro Möhlin, und von 2010 bis Ende Juli 2026 den Bereich Infrastruktur und gehörte der Geschäftsleitung an. Besonders am Herzen lagen ihm die Bauherrenunterstützung und das Projektmanagement komplexer Infrastrukturvorhaben. Sein Fachwissen brachte er zudem als Vorstandsmitglied von «suisse.ing beider Basel» ein. Und auch abseits von Strassen, Projekten und Projektorganisation ist René Teil eines eingespielten Teams: Er ist Familienmensch und Vater von drei erwachsenen Kindern.

Seit 2010 hast du den Ingenieurbereich geleitet. Was hat sich in dieser Zeit Im Infrastruktur- und Ingenieurwesen am stärksten verändert?

Die Arbeitswelt hat ordentlich an Tempo zugelegt. Kommunikation und Informationsaustausch laufen heute viel schneller, entsprechend höher ist auch die Kadenz im Arbeitsalltag. Gleichzeitig sind die Anforderungen an unsere Projekte stetig gewachsen. Wo früher vielleicht noch eine pragmatische Lösung genügte, wollen Bauherrschaften heute vieles bis ins letzte Detail untersucht, abgesichert und dokumentiert haben. Kurz gesagt: schneller arbeiten, aber gleichzeitig immer genauer hinschauen.

Gab es ein Projekt, das beispielhaft für die Werte von Rapp steht?

Weniger ein Projekt. Sehr gerne erinnere ich mich an «Kultur am Abend». Das waren Kundenanlässe, die bewusst etwas weiterdachten: Neben Kundinnen und Kunden waren auch externe Geschäftspartner und Mitbewerber an den Anlässen eingeladen. Diese Mischung machte den Reiz aus. Sie brachte Menschen zusammen, förderte den Austausch und sorgte dafür, dass die Treffen in der Branche sehr positiv wahrgenommen wurden.

Wer oder was hat dich während deiner Zeit bei Rapp besonders inspiriert? 

Die Brüder Peter und Matthias Rapp waren für mich immer Patrons im besten Sinne des Wortes. Vorbilder, von denen ich nicht nur beruflich, sondern vor allem menschlich sehr viel lernen durfte. Ihre Art, ein Unternehmen zu führen und dabei den Menschen nie aus den Augen zu verlieren, hat mich geprägt.

Die Arbeitswelt hat ordentlich an Tempo zugelegt. Kommunikation und Informationsaustausch laufen heute viel schneller, entsprechend höher ist auch die Kadenz im Arbeitsalltag. 

Was macht aus deiner Sicht eine erfolgreiche Zusammenarbeit aus?

Ein gutes Projekt gelingt nur miteinander. Dazu braucht es eine Kultur, in der sich alle Beteiligten mit Respekt begegnen, einander unterstützen und gemeinsam nach der besten Lösung suchen. Wenn es irgendwo hakt, sollte die erste Frage deshalb nicht lauten: Wer war’s? Sondern: Wie lösen wir’s?

Welche Bedeutung hatten Nachwuchsförderung und Wissenstransfer für dich?

Eine sehr grosse. Wissen ist die einzige Ressource, die sich durch Weitergabe nicht aufbraucht! Wissen hat diese eine wunderbare Eigenschaft: es wird nicht weniger, wenn man es weitergibt. Als Vater von drei Kindern ist mir Nachwuchsförderung auch persönlich ein Anliegen. Wissen weiterzugeben, Zusammenhänge zu erklären und jüngere Menschen ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten, macht mir Freude. Wer weiss, vielleicht wäre ich tatsächlich auch ein ganz guter Lehrer geworden. (lacht)

Was würdest du einem jungen Ingenieur oder einer jungen Ingenieurin heute empfehlen?

Vernetze dich, so gut du kannst, intern genauso wie extern. Ein gutes Netzwerk öffnet Türen, erweitert den eigenen Horizont und macht dich stärker. Ein starkes Netzwerk ist Gold wert, denn niemand kann alles allein können, auch wenn manche das gelegentlich glauben. Am Ende bist du nur so gut wie dein Team als Ganzes.
 

Impressionen

Welche Entwicklungen werden die Branche in den kommenden Jahren prägen?

Die künstliche Intelligenz wird aufs Gaspedal drücken und unseren Arbeitsalltag weiter beschleunigen. Nur: Auch die beste KI baut noch keine Infrastruktur. Dafür braucht es gut ausgebildete Fachkräfte und genau die werden zunehmend knapp. Der Fachkräftemangel könnte deshalb stärker als bisher darüber entscheiden, wie viele der notwendigen Projekte für Ausbau und Erhalt unserer Infrastruktur tatsächlich umgesetzt werden können.

Was wirst du am meisten von deinem Berufsleben vermissen?

Am meisten werde ich wohl den persönlichen Austausch mit meinen Arbeitskolleg:innen vermissen. Denn so wichtig die Projekte sind, am Ende sind es die Menschen, die ihnen Leben geben. Und dieses befriedigende Gefühl, wenn ein Team gemeinsam etwas auf die Beine gestellt hat, das bleibt etwas Besonderes. Projekte kann man abschliessen. Die Erinnerungen an das gemeinsame Schaffen nimmt man mit.

Worauf freust du dich im Ruhestand?

Ganz klar: darauf, nicht mehr ständig fremdbestimmt und getrieben zu sein. Der Kalender darf künftig gerne ein paar Lücken haben, und nicht jede Minute muss schon wissen, was aus ihr werden soll.

Gibt es etwas, das du den Mitarbeitenden von Rapp zum Abschied mitgeben möchtest?

Tragt Sorge zueinander. Denn am Ende sind es die Menschen und der Umgang miteinander, die darüber entscheiden, ob man gerne zur Arbeit kommt und gemeinsam etwas bewegen kann. Bewahrt euch diese Freude, den Respekt und das Miteinander. In diesem Sinne: Hebet’s guet!

 

Antje Heimhalt übernimmt die Leitung des Bereichs Infrastruktur

Seit dem 1. August verstärkt Antje Heimhalt als neue Bereichsleiterin Infrastruktur die Geschäftsleitung. Mit über 25 Jahren Erfahrung in den Bereichen Infrastruktur, Mobilität und Bahnwesen bringt sie fundiertes Fachwissen, strategische Führungskompetenz und langjährige Managementerfahrung mit. Sie folgt auf René Stadler, der per Ende Dezember 2026 nach über drei Jahrzehnten bei der Rapp AG in den Ruhestand treten wird.