Grosse Gefahr bei Trennung
Ohne Hilfe von aussen dreht sich die Spirale oft weiter. Auch nach dreieinhalb Jahren ist die Kommunikationsfachfrau erstaunt, wie viel die Schutzsuchenden aushalten. «Es geht in der Regel sehr lange, bis sie sich für einen Eintritt in das Frauenhaus entscheiden.» Das sei überhaupt der gefährlichste und schwierigste Moment für die Frauen! Oft sind familiäre Strukturen im Spiel, die Druck ausüben, oder finanzielle Abhängigkeiten, wenn der Frau der Zugang zu Geld verwehrt wird. Und es darf auch nicht vergessen gehen, dass in der Regel am Anfang einer Gewaltgeschichte eine Liebesgeschichte stand. Eines ist sicher: Bei einer Trennung eskaliert die Situation häufig, auch wenn Kinder im Spiel sind. Sie sind besonders betroffen, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt: «Sie wollen einfach, dass es beiden Elternteilen gut geht». Wie die Frauen leiden auch die Kinder unter der Gewalt «So kann es auch sein, dass Kinder als Druckmittel eingesetzt werden», sagt Olah-Erichsen. Es wird gedroht, die Kinder zu entführen oder ihnen etwas anzutun.
Stärkung der Eigenständigkeit
Sobald die Frauen und die Kinder das Schutzhaus verlassen, endet die Arbeit des Frauenhauses. «Manche waren nur ein paar Tage hier, andere mehrere Wochen», sagt Olah-Erichsen. Eine Nachbetreuung, ausser im Zusatzangebot PasserElle, existiert im Moment nur punktuell. Deshalb wird in der letzten Phase vor allem auch die Vernetzung der Klientin gesichert. «Sie geht alle Schritte wie Wohnungs- und Arbeitssuche eigenverantwortlich an.» Gewalt kann jede Frau treffen, unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft. 2023 starben in der Schweiz 20 Frauen an den Folgen häuslicher Gewalt, weitere 20 bis 40 Frauen wurden Opfer von Tötungsversuchen. «Nicht alle Frauen wenden sich an uns, wenn sie Gewalt erleben», erklärt sie. Frauen, die wirtschaftlich unabhängiger oder weniger auf ihren Partner angewiesen sind, finden oft andere Wege, sich aus der Gewaltspirale zu befreien.