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Beat Ernst

Infrastruktur

Tragwerksplanung für neue Verbindungen am Basel SBB

Im Projekt «Leistungssteigerung Basel SBB» wurde der Bahnhof gezielt erweitert und für steigende Passagierzahlen ausgebaut. Kernstück ist eine neue Überbrückungsmassnahme über das Gleisfeld. Die Rapp AG übernahm die Tragwerksplanung und trug zur Umsetzung der leistungsfähigen Nord–Süd‑Verbindung bei.

Im Rahmen des Projekts «Leistungssteigerung Basel SBB» wurde der Bahnhof Basel SBB im Auftrag des Bundes gezielt weiterentwickelt und um zusätzliche Perronanlagen ergänzt. Ziel der Massnahmen war es, den steigenden Passagierzahlen zu begegnen, den Bahnhof leistungsfähiger zu gestalten und die bestehende Passerelle zu entlasten. Als Teil dieses Gesamtprojekts realisierten die SBB und die beteiligten Projektpartner eine neue Überbrückungsmassnahme. Die Rapp AG übernahm im Rahmen des Projekts die Tragwerksplanung dieser Massnahme, welche das gesamte Gleisfeld in Nord–Süd‑Richtung überspannt und eine direkte, leistungsfähige Verbindung vom Gundeldinger Quartier im Süden zum Westflügel des historischen Bahnhofsgebäudes im Norden schafft.

Darstellung des Gesamtprojekts am Bahnhof Basel SBB
SBB

 Darstellung des Gesamtprojekts am Bahnhof Basel SBB

Ein Gesamtprojekt mit vielen Bausteinen

Die Massnahme am Bahnhof Basel SBB beschränkte sich nicht auf ein einzelnes Bauwerk, sondern umfasste eine Vielzahl ineinandergreifender Eingriffe. 
Die Leistungssteigerung ermöglicht mehr Zughalte. Sie umfasst den Neubau und die Erweiterung der Perronanlagen, die Umwandlung der Gütergleise 18 und 19 zu Perrongleisen sowie die Errichtung eines zusätzlichen Perrons entlang der Meret-Oppenheim-Strasse. Dieser wurde über eine partielle Verbreiterung der Margarethenbrücke und eine neue Rampe direkt an den städtischen Raum angebunden. Eine rund 450 Meter lange Stützmauer, teils als Bohrpfahlwand, teils als Winkelstützmauer, bewältigt die anspruchsvollen Höhenunterschiede zwischen Strasse und Publikumsanlagen. Für die logistische Erschliessung wurde die Verbindung zum bestehenden Gepäcktunnel erneuert und durch eine Warenrampe sowie einen neuen Verbindungsstollen ergänzt. Auch die bestehende Postpasserelle wurde über eine Stahlkonstruktion abgefangen und verlängert. 

Die Überbrückungsmassnahme als verbindendes Element

Innerhalb dieses Gesamtwerks übernimmt die Überbrückungsmassnahme eine zentrale Rolle. Über 146.67 Meter Länge, 12.50 Meter Breite und mit einer Höhe von 8.46 Metern überspannt sie das gesamte Gleisfeld und schafft eine neue, durchgängige Nord–Süd‑Achse für den Publikumsverkehr. 

Die provisorische Passerelle schafft mehr Platz für Reisende, entlastet bestehende Querungen und verbessert die Verteilung der Personenströme. Sämtliche Perrons werden über überdachte Treppen und barrierefreie Lifte erschlossen. Westlich wurden zusätzliche Lifttürme errichtet, neue Perrondächer schliessen lückenlos an die Portalzugänge an.

Tragwerksplanung unter besonderen Bedingungen

Getragen wird der Überbau der neuen Passerelle von sieben Stahlportalen, deren Mikropfahl-gründungen trotz engster Verhältnisse ein Höchstmass an Stabilität bieten. Drei dieser Portale bleiben dauerhaft tragend, weitere können bei künftigen Gleisanpassungen verschoben werden. Damit erfüllt die Passerelle bereits heute die Anforderungen des Ausbauschritts 2025 und des Endzustands, ein flexibles Ingenieurbauwerk, das Veränderung mitdenkt. Die Tragwerksplanung berücksichtigt die komplexen geologischen Verhältnisse, strengen Lichtraumprofile und die dy-namischen Beanspruchungen des Personen- und Bahnbetriebs. Bewegungsfugen und Lager er-möglichen die sichere Aufnahme von Verformungen und Temperaturbeanspruchungen und ga-rantieren eine langlebige, wartungsarme Konstruktion. 

Das stählerne Tragwerk ist auf grosse Spannweiten, Schlankheit und Effizienz ausgelegt. Seine Geometrie ermöglicht schlanke Querschnitte, eine nachvollziehbare Lastabtragung und hohe Er-müdungsfestigkeit. Präzise Anschlussdetails zwischen Haupt- und Nebentragwerk unterstützen sowohl das Taktschiebeverfahren als auch die spätere Verformungsfähigkeit. Das modulare Stahlkonzept erleichtert den Austausch einzelner Elemente und erlaubt eine flexible Anpassung im Hinblick auf spätere Ausbauphasen. 

Bauen im Takt des Betriebs

Eine besondere planerische Leistung lag in der Bauphase. Die Passerelle wurde im Taktschiebeverfahren errichtet. Eine Bauweise, die es erlaubte, den Bahnbetrieb während der Montage weitgehend aufrechtzuerhalten. Nachtarbeiten, präzise Taktlogistik und eine enge Abstimmung aller Beteiligten prägten die Umsetzung. Für uns bei Rapp war dies ein Projekt, bei dem Tragwerksplanung, Bauablauf und Betrieb eng miteinander verzahnt waren.

Ein Beispiel für wandelbare Infrastruktur

Die Massnahme am Bahnhof Basel SBB zeigt, wie komplexe Infrastrukturbauten heute gedacht werden müssen: als Systeme, die sich verändern, anpassen und weiterentwickeln lassen. Die provisorische Passerelle ist dabei mehr als eine Querung, sie bildet das verbindende Rückgrat eines umfassenden Transformationsprozesses.

Aus Sicht der Rapp AG steht das Projekt exemplarisch für das Zusammenspiel von Ingenieurwesen, Architektur und Städtebau. Temporär geplant, aber mit Blick auf den Endzustand ausgelegt, zeigt die Passerelle, wie technische Präzision und langfristige Perspektiven in der Infrastrukturplanung zusammengeführt werden können.

Tragwerksplanung aus Sicht des Projektleiters

«Als Tragwerksplaner war es entscheidend, innerstädtisch eine Lösung mit Konstruktionsarten und Materialien zu entwickeln, welche auch die zukünftigen Umbaumassnahmen unter möglichst geringer Beeinträchtigung des Betriebs ermöglicht und somit nachhaltig Bestand hat. Sehr schön kommt heute auch der Einklang zwischen Konstruktion und Ästhetik zu Geltung.»

Larsen Szulerski, Leiter Versorgung und Ingenieurbau der Rapp AG