Interview Florian Trau

Nachhaltigkeit beginnt im Dialog

Vom Architekten zum Nachhaltigkeitsberater. Florian Trau verstärkt seit Februar 2026 das Team «Nachhaltiges Planen und Bauen» bei Rapp. Im Interview spricht er über die Aufbauarbeit im neuen Fachbereich, spannende Projekte und warum nachhaltiges Bauen vor allem zwei Sachen braucht: den Dialog und der Wille zur Veränderung.

Du bist seit Februar 2026 Teil des Teams «Nachhaltiges Planen und Bauen» bei der Rapp AG und arbeitest gemeinsam mit Carmen Bachmann in einem Zweierteam. Wie fällt deine Bilanz nach den ersten Monaten aus? 

Mehr als positiv! Was mich an Rapp besonders fasziniert, ist die enorme thematische Breite des Unternehmens. Dadurch erhalte ich Einblicke in die Wirkungsräume Gebäude, Mobilität, Umwelt und Infrastruktur. Besonders spannend aber auch herausfordernd finde ich, dass Nachhaltigkeit in all diesen Bereichen unterschiedlich gelebt wird. In den ersten Monaten habe ich viele Themenfelder entdeckt, die ich zuvor gar nicht auf dem Radar hatte. 

Was hat dich in dieser Zeit besonders überrascht?

Überrascht hat mich vor allem die grosse Offenheit und wie stark das Thema bereits heute in vielen Projekten mitgedacht wird. Oft fehlen weniger die Ideen als vielmehr die Zeit und der Raum, unterschiedliche Anforderungen zusammenzubringen. Gerade deshalb sind der Austausch und die interdisziplinäre Zusammenarbeit so wichtig.

Wie läuft dieser Austausch ab? 

Unsere Abteilung «Nachhaltiges Planen und Bauen» besteht in dieser Form erst seit rund zwei Jahren. Gemeinsam mit Carmen Bachmann bilden wir ein kleines Team und befinden uns in einer Aufbauphase. Nachhaltigkeit ist ein Querschnittsthema, das viele Fachbereiche betrifft. Deshalb suchen wir aktiv den Austausch mit den Bereichen, stellen unsere Dienstleistungen vor und zeigen auf, wo wir Mehrwert schaffen können. Das wirkt: Mitarbeitende kommen zunehmend mit konkreten Fragestellungen auf uns zu und holen uns frühzeitig in Projekte.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Ein aktuelles Beispiel ist die Zusammenarbeit mit unseren Tragwerksplanern. Bereits in frühen Projektphasen möchten Bauschaften wissen, wie sich beispielsweise Holz- und Massivbau hinsichtlich CO₂-Fussabdruck, Ressourcenverbrauch oder Mehrwert vergleichen lassen. Wir liefern dafür fundierte Daten und Analysen als Know-how gemeinsam mit den Fachbereichen Architektur, Tragwerksplanung und Brandschutz in ein Gesamtleistungsprojekt ein.

Kommen auch Auftraggeberinnen und Auftraggeber direkt auf euch zu?

Ja, zunehmend. Das freut mich sehr, dass wir auch ausserhalb des eigenen Unternehmens wahrgenommen werden. Aktuell begleiten wir verschiedene Zertifizierungsprozesse im Bereich SNBS und Minergie-ECO, machen aber auch zertifikatsfreie Beratung. Unsere Unabhängigkeit und Objektivität werden dabei sehr geschätzt.


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Portrait Trau Florian
Florian Trau (Jg. 1992) ist Projektleiter Nachhaltigkeitsberatung bei der Rapp AG. Nach seinem Architekturstudium an der Technischen Universität Braunschweig (B.Sc. und M.Sc.) absolvierte er ein CAS in nachhaltigem Bauen an der FHNW Muttenz. Berufliche Stationen bei KPN Architekten DBA und ERNE AG Holzbau führten ihn zu Rapp. Seine Schwerpunkte liegen in nachhaltigen Material- und Gesamtkonzepten, Holzmodul- und Hybridbauten sowie der Begleitung von SNBS- und Minergie-ECO-Projekten. Für ihn bedeutet nachhaltiges Bauen einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Entscheidend sind nicht einzelne Baustoffe, sondern deren sinnvoller Einsatz sowie eine vorausschauende Architektur, die Flexibilität, Wiederverwendbarkeit und Energieeffizienz in den Mittelpunkt stellt, damit Energieverbrauch, Komfort und Klimaanpassungsfähigkeit auf lange Sicht verbessert werden. Nachhaltiges Bauen umfasst für ihn somit sowohl die Materialwahl als auch intelligente architektonische und konstruktive Lösungen.

Ein Beispiel?

Ein Beispiel ist die Arealentwicklung in Basel. Gemeinsam mit einem externen Architekturbüro und weiteren Fachplanern begleiten wir die Zertifizierung nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) Areale. Es geht darum, ökologische, soziale und wirtschaftliche Qualitäten eines neuen Quartiers nach diesem Standard zu definieren und über alle Leistungsphasen im Transformationsprozess zu begleiten. 

An welchen Projekten arbeitest du aktuell besonders gerne?

Spannend finde ich Projekte, bei denen Nachhaltigkeit von Beginn an mitgedacht wird und dadurch echten Einfluss auf die Planung nehmen kann. Besonders motivierend ist die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fachdisziplinen am runden Tisch, im interdisziplinären Projekt-Team, wo jede und jeder sein Know-how einbringen kann. Dort entstehen oft die besten Lösungen. 

Wo siehst du derzeit den grössten Handlungsbedarf?

Nachhaltigkeit lässt sich schwieriger quantifizieren als Kosten oder Termine. Ihre Wirkung wird vielfach erst langfristig sichtbar. Deshalb braucht es weiterhin Überzeugungsarbeit. Sowohl intern als auch extern. Gleichzeitig stehen etablierte Prozesse einem schnellen Wandel manchmal im Weg. Das zeigt sich etwa beim Thema Re-Use. Solche Veränderungen erfordern ein radikales Umdenken. Und das geht, trotz der grossen Offenheit, nicht von heute auf morgen. 

Welche Nachhaltigkeitsthemen begeistern dich persönlich am meisten?

Mich begeistern besonders Lösungen, die ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte gleichzeitig berücksichtigen. Dabei geht es nicht um einzelne Materialien oder Technologien, sondern um das Zusammenspiel verschiedener Faktoren und Prozesse. Zentral finde ich die Frage, wie Gebäude schon heute so geplant werden können, dass sie auch in Zukunft flexibel genutzt, weiterentwickelt und zurückgebaut werden können. Nachhaltigkeit ist nicht automatisch an Labels oder Zertifizierungen gebunden. Auch ohne Label können Gebäude zukunftsweisend sein. Entscheidend ist der Mehrwert: Mal ist ein Label der richtige Weg, mal eine individuell entwickelte Nachhaltigkeitsstrategie.

Worauf freust du dich in den kommenden Monaten besonders?

Ich freue mich darauf, laufende Projekte erfolgreich abzuschliessen und weitere Nachhaltigkeitsthemen innerhalb von Rapp voranzubringen. Gleichzeitig gewinnen Themen wie BIM, Holzbau und weitere Abwicklungsmodelle wie beispielsweise IPD zunehmend an Bedeutung. Die grösste Chance sehe ich darin, nachhaltige Lösungen künftig noch früher in Planungs- und Entscheidungsprozesse zu integrieren. Wenn das gelingt, können wir gemeinsam einen echten Mehrwert für unsere Projekte schaffen.