Herausforderungen und Handlungsbedarf
Grosse Herausforderungen bezüglich Logistikflächen und Energieverbrauch.
BIP und Logistikmarktwachstum 2010 - 2024
Herausforderungen im Bereich der Logistikflächen
Dem wachsenden Flächenbedarf von Logistiknutzungen steht eine abnehmende Flächenverfügbarkeit in Industrie- und Gewerbezonen gegenüber.
Der Logistikmarkt wächst. Zwischen 2010 und 2022 ist der Logistikmarkt von 36 Mrd. CHF um 22% auf 44 Mrd. CHF angewachsen1. Damit steigt auch der Flächenbedarf für Logistiknutzungen, insbesondere auch in urbanen Gebieten. Aufgrund der prognostizierten Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung wird der Logistikmarkt und damit die Flächennachfrage auch in Zukunft weiter wachsen. Logistiknutzungen stehen dabei in Konkurrenz zu anderen Nutzungen wie Industrie und Handel aber auch Dienstleistungen und Wohnen. Die Transformation von Industrie- und Gewerbegebieten in Mischnutzungen mit Wohnen und Dienstleistungen reduziert jedoch die Verfügbarkeit von Flächen für Logistiknutzungen. Zudem werden Logistikbetriebe aufgrund von Stadtentwicklungsbestrebungen zunehmend aus den Agglomerationskernen verdrängt. Bei der Ansiedlung von Unternehmen bevorzugen die Gemeinden wertschöpfungsintensivere Nutzungen wie Dienstleistungen, Handel oder Industrie. Für Logistik- und Transportunternehmen wird es dadurch immer schwieriger, geeignete Flächen in zentralen Lagen zu finden und zwingt sie in die Peripherie, was zu längeren Transportwegen führt.
Bodennutzung nach Hauptbereich
Die Siedlungsfläche der Schweiz wächst weiter: Im Durchschnitt wurde zwischen 1985 und 2018 jeden Tag eine Fläche von der Grösse von 9 Fussballfeldern neu überbaut.
Ende 2018 betrug die Siedlungsfläche der Schweiz 327’121 ha, was 8% der Gesamtfläche der Schweiz entspricht2. Zwischen 1985 und 2018 hat die Siedlungsfläche um 31% zugenommen.
Überdurchschnittlich zugenommen haben die Siedlungsflächen für Wohnen (+61%) und für Industrie und Gewerbe (+46%), zu denen auch die Logistiknutzungen zählen. Diese Entwicklung steht im Widerspruch zum Raumplanungsgesetz mit seinem Gebot der haushälterischen Bodennutzung.
Logistiknutzungen gelten als flächenintensiv und die Raumplanung strebt einen haushälterischen Umgang mit Grund und Boden an.
Logistiknutzungen gelten mit ihren oft eingeschossigen Hallen und ausgedehnten Hoflogistikarealen als flächenintensiv. Grössere Logistikanlagen benötigen schnell zwischen 30'000 und 100'000 m2 Grundstücksfläche und mehr.
Aus raumplanerischer Sicht sind ein haushälterischer Umgang mit dem Boden und eine geordnete Besiedlung des Landes zentrale Ziele. Um diese Ziele nachhaltig zu erreichen, muss die Flächeneffizienz logistischer Nutzungen durch innovative Lösungen erhöht werden.
Das Projekt FELOG zeigt 7 Ansätze auf, wie die Flächeneffizienz von Logistiknutzungen gesteigert werden kann.
Herausforderungen in Bezug auf den Energieverbrauch im Güterverkehr
Anteil der Verkehrsträger am Endenergieverbrauch 2021
Der Güterverkehr hat einen bedeutenden und wachsenden Anteil am Endenergieverbrauch des gesamten Verkehrs.
Im Jahr 2021 hatte der Verkehr einen Anteil von 31,7% (252,6 PJ) am Endenergieverbrauch der Schweiz3. Seit 2000 hat der Energieverbrauch des Verkehrs um 17% abgenommen, was vor allem auf den Rückgang des Energieverbrauchs im Personenverkehr zurückzuführen ist.
Der Güterverkehr hatte 2021 einen Anteil von 20% am Endenergieverbrauch des gesamten Verkehrs3. Während der Energieverbrauch des Personenverkehrs zwischen 2000 und 2021 um 5.2% abgenommen hat, ist der Energieverbrauch des Güterverkehrs im gleichen Zeitraum um 6.7% gestiegen.
Rund 95% des Energieverbrauchs im Güterverkehr entfallen auf den Strassengüterverkehr.
Davon 57% auf den Güterverkehr mit Lastwagen und 37% auf den Güterverkehr mit Lieferwagen. Während der Energieverbrauch der Lastwagen seit 2010 um 5% gesunken ist, ist er bei den Lieferwagen um 26% gestiegen.
Rund 91% des Energieverbrauchs im Güterverkehrs sind nicht erneuerbare Energieträger.
Rund 91% es Energieverbrauchs im Güterverkehrs sind fossile Energieträger (Diesel, Benzin) und damit nicht erneuerbar3. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren zwar zurückgegangen, aber immer noch sehr hoch. Der Anteil erneuerbarer Treibstoffe im Jahr 2021 beträgt bei Lieferwagen und Lastwagen knapp 5% und ist damit immer noch sehr gering.
Anteil der Sektoren an den totalen Treibhausgasemissionen 1990 und 2022
Steigender Anteil des Verkehrs an den Treibhausgasemissionen; der Anteil des Verkehrs hat rund ein Drittel erreicht.
Die Treibhausgasemissionen sinken zwischen 1990 und 2022 von 55.06 Mio t CO2eq auf 41.63 Mio t CO2eq (ca. 25%). Beim Verkehr ist allerdings nur ein geringer Rückgang zu verzeichnen. Zwischen 1990 und 2022 ist der Anteil des Verkehrs an den Treibhausgasemissionen somit von 27% auf 33% gestiegen4.
Entwicklung der Treibhausgasemissionen des Sektors Verkehr
Die Treibhausgasemissionen des Güterverkehrs nehmen zu und machen 2022 rund 22% der Emissionen des Verkehrssektors aus.
Die Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors werden vom Personenverkehr dominiert, gefolgt vom Güterverkehr (vgl. Abbildung). Der Anteil des Güterverkehrs ist zwischen 1990 und 2022 von 15% auf rund 22% gestiegen.
Entwicklung der Treibhausgasemissionen der Schweiz
Der Bundesrat hat im August 2019 das Netto-Null-Ziel für die langfristige Klimastrategie bis 2050 beschlossen5. Im Januar 2021 verabschiedete der Bundesrat seine langfristige Klimastrategie mit sektoriellen Zielen und möglichen Entwicklungen bis 2050. Der Landverkehr soll bis 2050 mit wenigen Ausnahmen keine Treibhausgasemissionen mehr verursachen. Gemäss der Energiestrategie des Bundes soll zudem die Energieeffizienz insgesamt gesteigert werden, auch dort, wo bereits Treibhausgase reduziert oder ganz vermieden werden.
Angesichts des relativ hohen Anteils des Güterverkehrs am Energieverbrauch und an den Treibhausgasemissionen sowie der ambitionierten Klima- und Energiestrategie der Schweiz sind innovativen Lösungen (Bündelung, Verlagerung, Elektrifizierung, etc.) zur Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen notwendig. Der Güterverkehr muss seinen Beitrag zur Reduktion des Energieverbrauchs (insbesondere der nicht erneuerbaren Energieträger) und der Treibhausgasemissionen leisten.
Das Projekt FELOG zeigt 5 Ansätze auf, wie die Energieeffizienz von Logistikstandorten bzw. des damit verbundenen Güterverkehrs erhöht werden kann.
Quellenhinweise
1 GS1 Switzerland (2024). Logistikmarktstudie Schweiz
2 Bundesamt für Statistik (2013/18). Arealstatistik Schweiz
3 Bundesamt für Energie (2022). Analyse des schweizerischen Energieverbrauchs 2000–2021 nach Verwendungszwecken
4 Bundesamt für Umwelt (2024). Kenngrössen zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen in der Schweiz 1990–2022
5 BAFU (2021). Langfristige Klimastrategie – Faktenblatt
FELOG ist ein KOMO-Projekt - gefördert von Energie Schweiz und dem BAFU