Sammlungszentrum_Aussenansicht
© Maxime

Infrastruktur, Gebäude

Sammlungs­zentrum für die Römerstadt in Augst

Ein Neubau führt die bestehenden Arbeits­plätze der Mitarbeitenden von Augusta Rauri­ca an einem Standort zusammen. Realisiert über den im Boden verborgenen Ruinen der antiken Stadt birgt das Bauprojekt einige Herausforderungen. 

Die rund zehn Kilometer östlich von Basel gelegene römische Kolonie Augusta Raurica ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Archäologische Ausgrabungen bewahren das Erbe und das Wissen über die antike Stadt der Römerzeit für kommende Generationen. Die Sammlung mit derzeit rund 1,9 Millionen Artefakten wächst täglich. Analog entwickeln sich auch die wissenschaftliche,  kulturelle und touristische Bedeutung der Römerstadt und damit einhergehend der personelle  Aufwand.  

Ausgangslage

Mit den  bisherigen  Standorten lassen sich die wachsenden Anforderungen nicht mehr bewältigen. Für das neue Sammlungszentrum wurde im Jahr 2014 ein Architekturwettbewerb durchgeführt, aus welchem Karamuk Kuo Architekten aus Zürich als Sieger hervorging. Das Projekt überzeugte die Jury hinsichtlich einer der Nutzung entsprechenden  Architektur sowie in Bezug auf Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. 

In der Arbeitsgemeinschaft  «Sammlungszentrum RAR» ist Rapp für das Projekt- und Baumanagement zuständig. Der Standort des Neubaus befindet sich auf der Flur Schwarzacker, ausserhalb des Siedlungsgebiets  in  Augst nahe der  Autobahn  Basel– Zürich. Das Sammlungszentrum liegt über  den  verborgenen  Ruinen der Römerstadt. Der Zustand der Ruinen unterhalb der Fundation wird kontinuierlich überwacht. Die Realisierung erfolgt deshalb unter Einbezug der Archäologen, welche die Eingriffe im Erdreich begleiten. Um die Ruinen zu schützen, wurde die Bodenplatte  auf  ein  «Kissen»  aus  Glasschaumschotter betoniert.

Resultat

Mit der ersten Bauetappe wurde eine Nutzfläche von knapp 2500 m2 mit Büros, Werkstätten,  Archiven und der Gebäude-Infrastruktur realisiert. Die zweite Etappe umfasst ca. 4500 m2 für die Funddepots inkl. Werkhof, Unterständen, Lagerflächen und Fotovoltaik. Die Nutzungsdauer ist auf 50 Jahre ausgelegt.

Korrespondierend mit der Struktur des Stahlbaus, erfolgen sämtliche Arbeitsabläufe um die Fundstücke (wie z.B. Inventarisierung, Restaurierung, Lagerung) in Gebäudelängsrichtung. Drei parallele Erschliessungsachsen verlaufen über die ganze Gebäudelänge. Sie erlauben ein hohes Mass an Effizienz und Sicherheit beim Transport der Fundstücke und unterstützen gleichzeitig den Austausch zwischen den Mitarbeitenden. Beziehungen zwischen den einzelnen Bereichen (wie z.B. Forschung, Vermittlung, Auswertung) erfolgen hingegen in Querrichtung. Die Oberlichter im Sheddach ermöglichen einen maximalen Eintrag an Tageslicht über die gesamte Gebäudetiefe. Zusammen mit den zweigeschossigen Räumen sind attraktive Arbeits- und Begegnungszonen für die unterschiedlichen Nutzungen des Sammlungszentrums entstanden. Die Erschliessung über interne Treppen im Bereich der zweigeschossigen Räume ermöglicht kurze Verbindungen und fördert den  Austausch zwischen den Dienstbereichen.

 

Impressionen der 1. Bauetappe

So vielfältig wie die räumlichen Strukturen gestalten sich auch die Details im Stahl- und Betonbau. Aufgrund des Kulturgüterschutzes gelten unter anderem erhöhte Anforderungen für die Erdbebensicherheit oder den Sprinklerschutz. Trotz der erschwerten Bedingungen im Corona-Jahr 2020 hat das Projektteam auf der Baustelle die Herausforderungen gemeistert und die erste Etappe im Frühjahr 2021 termin- und kostengerecht der Bauherrschaft übergeben. Im Innenbereich der neuen Depots werden nun noch einige Abschlussarbeiten ausgeführt und im Aussenbereich die Umgebung gestaltet. 

 

Impressionen der 2. Bauetappe

Fotos: Maxime Devaux