Schritt für Schritt
Das Flechten eines Zwiebelzopfs ist eine Kunst für sich und erfordert viel Übung. Die gepflasterten Hände von Barbara und Philipp fallen ins Auge. «Zum Schutz», betont Philipp, um schmerzhafte Schnittwunden zu vermeiden. Ein Stiel aus Chinaschilf in der einen, und die Schnur in der anderen Hand und los geht’s. Schritt für Schritt kommt eine weitere Zwiebel hinzu. Dabei werden die neuen Zwiebeln immer seitlich eingeflochten, so dass der Zopf gleichmässig an Grösse und Länge gewinnt. «Man muss genau arbeiten, die Zöpfe satt anziehen, sonst wird das nichts», meint der ausgebildete Landwirt, der rund 20 Hektaren seines Hofes landwirtschaftlich nutzt und neben Zwiebeln allerlei Ackerkulturen und verschiedene Obstsorten anbaut.
Von der Ernte zur Kunst
Die alte Technik des Zwiebelzopf-Flechtens stammt wahrscheinlich aus dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert. Ein genaues Datum lässt sich nicht ausmachen. Philipp Laubscher vermutet, dass die Marktfahrer damals begannen, ihre überschüssigen Zwiebeln zu dekorativen Kränzen zu verarbeiten - ein kunstvolles Erbe, das auf dem Eggehof bis heute weitergeführt wird. Überschüssige Zwiebeln gibt es heute auf dem Eggehof nicht mehr. Ganz im Gegenteil. Mitte März sät Philipp Laubscher die roten Savoyer und weissen Hiesiger auf seinem Hof aus, um sie Ende Juli zu ernten. «Sie eignen sich besonders gut, weil sie flacher sind als die bekannten runden Zwiebeln», sagt Philipp Laubscher. «Für einen stabilen und haltbaren Zwiebelzopf ist es wichtig, dass die Zwiebeln reif und trocken sind», ergänzt Barbara. Neben dem optischen Effekt haben Zwiebelzöpfe auch praktische Vorteile. «Der Zopf sorgt für eine gute Belüftung, so dass die Zwiebeln nicht faulen», erklärt die Bäuerin. Eine bewährte Methode, um die Zwiebeln über den Winter zu bringen.
Alles wird verwertet
Die Grundlage für einen schönen und haltbaren Zwiebelzopf beginnt schon bei der Ernte. «Beide Sorten haben einen langen Stiel und eine feste Schale», sagt die Mutter. Die Zwiebeln werden geerntet, sobald das Laub verwelkt und die Schale vollständig ausgebildet ist. Die Zwiebeln sollten vor der Weiterverarbeitung einige Tage an einem trockenen, luftigen Ort nachgetrocknet werden, um Schimmelbildung zu verhindern. Bevor mit dem Flechten begonnen wird, werden die Wurzeln vorsichtig mit einem Messer abgeschnitten. «Nur so sieht der Zopf dann sauber und ordentlich aus», sagt Peter, der Grossvater von Philipp und ergänzt, dass auch das Laub nicht vollständig entfernt werden sollte, da die Stängel für das Flechten benötigt werden. «Ein 20 bis 30 Zentimeter langer Stiel ist ideal.»