City Maut und Mobility Pricing
Steuerungsinstrumente für überlastete Innenstädte
Verdichtete Innenstädte stehen unter stetig wachsendem Verkehrsdruck. Steigende Mobilitätsbedürfnisse treffen auf eine Infrastruktur, die kaum erweitert werden kann. Die Folgen sind klar: Stau, Lärm, eingeschränkte Aufenthaltsqualität und Belastungen für Mensch und Umwelt. Städte suchen deshalb nach verlässlichen, wirkungsvollen Instrumenten, um Verkehr nicht nur zu beobachten, sondern aktiv zu steuern. Zwei Modelle stehen dabei im Zentrum: City‑Maut und Mobility Pricing. Beide Ansätze setzen dort an, wo es am meisten Wirkung entfaltet – bei der Nachfrage.
Die City‑Maut funktioniert über Gebühren im städtischen Raum. Sie schafft gezielte Anreize, während der Spitzenzeiten weniger Verkehr zu erzeugen und auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Dass dies wirkt, zeigen die Erfahrungen europäischer Städte. Entscheidend ist jedoch eine sorgfältige Einführung: Pilotphasen ermöglichen es, Effekte messbar zu machen, Akzeptanz aufzubauen und die Systeme auf die lokalen Gegebenheiten abzustimmen. Städte wie Stockholm oder London haben genau damit den Grundstein für breite politische Unterstützung gelegt.
Technologieversuche der City-Maut im Jahr 2006 in London
Mobility Pricing geht weiter und bezieht alle Verkehrsteilnehmenden ein. Das Prinzip ist einfach: Wer Infrastruktur nutzt, beteiligt sich verursachergerecht an den Kosten. Damit wird Mobilität transparenter, die Nachfrage wird über den Tag verteilt, und der bestehende Raum wird effizienter genutzt. Für Städte mit knapper Infrastruktur ist das ein zentraler Vorteil – Mobilität wird steuerbar, ohne neue Flächen zu beanspruchen.
Jesper Engdahl, Verkehrsspezialist bei Rapp, hat internationale Systeme detailliert untersucht. Seine Analyse ist eindeutig: "Die beobachteten Auswirkungen von 16 City‑Maut‑Systemen zeigen deutliche und nachhaltige Reduktionen des Verkehrsaufkommens."
Viele Städte verzeichnen langfristige Reduktionen von über zehn Prozent während der Betriebszeiten – ein Wert, der im dicht bebauten Stadtkern einen grossen Unterschied macht.
Warum Wirkung und Akzeptanz zusammengehören
Die Einführung solcher Modelle bleibt politisch anspruchsvoll. Sie verlangt transparente Ziele, gut verständliche Kommunikation und eine verlässliche Datengrundlage. Genau hier zeigt sich, wie wichtig schrittweises Vorgehen ist: Pilotphasen reduzieren Berührungsängste, machen Effekte sichtbar und ermöglichen Anpassungen, bevor der Regelbetrieb startet. In Stockholm hat dieses Vorgehen selbst sehr kritische Gruppen überzeugt – ein Beispiel dafür, wie Evidenz Vertrauen schafft.
Die nachhaltigen Rückgänge beim Verkehrsaufkommen zeigen, dass intelligente Steuerungsinstrumente nicht nur Theorie sind, sondern im Alltag funktionieren.
Für Städte bedeutet das: Mit den richtigen Rahmenbedingungen liefern City‑Maut und Mobility Pricing einen spürbaren Beitrag zu mehr Lebensqualität, besserer Luft und einem effizienteren Verkehrsfluss. Beide Instrumente stärken den öffentlichen Raum, unterstützen den ÖV und sorgen für eine fairere Kostenverteilung – zentrale Bausteine für zukunftsfähige Mobilität.