Wer kennt sie nicht, die Baustelle beim Schänzli zwischen Basel und Muttenz. Der Anschluss an die A2 in Muttenz Süd wird seit Anfang 2017 umfassend saniert. Und das ist gut so. Denn seit der Instandsetzung in den Siebzigerjahren werden Strasse und Tunnel intensiv genutzt. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich noch bis Mitte 2021 und können somit früher als erwartet abgeschlossen werden.

6:28    Der Tag beginnt. Michael Jung schliesst die Türe des Baubüros beim St. Jakob Stadion auf und schaltet den PC ein. Wie im "normalen" Büro, prüft er zuerst seine E-Mails. Was ist wichtig und eilt?
Eine E-Mail betreffend Zuschlags- und Eignungskriterien für die Ausschreibung bei der Waldenburgerbahn fällt ihm auf. Er liest sich den Vorschlag durch und markiert ihn. Später wird er ihn mit dem Bauherrn besprechen.

6:54    Der Bauführer der ARGE Trasse kommt zu ihm ins Baubüro. Er hat ein einige Fragen zu einem Ausmass. Die ausgeführten Arbeiten sind so nicht im Werkvertrag enthalten. Gemeinsam besprechen sie die Sachlage und finden schliesslich im Werkvertrag die Lösung für das Ausmass.

7:09    Michael telefoniert mit einem Bauleiter aus seinem Team und diskutiert Fragen zur Ausschreibung einer Kantonsstrassensanierung. Die Dokumente für die Submission muss er später zusammenstellen. Die Eingabefrist ist bereits in einer Woche.

7:45    Wieder klingelt das Telefon. Diesmal ist es der Technische Leiter der Stahlbaufirma. Es geht darum, die neuen Signalportale zu erstellen und zu montieren. Den Nachtrag für eine Zusatzarbeit hat Michael bereits kontrolliert und die notwendigen Änderungen per E-Mail durchgegeben.

8:20     Zeit für einen Kaffee. Bei der Kaffeemaschine trifft Michael den Bauführer. Dort haben sie Gelegenheit über die Terminsituation zu sprechen. In den nächsten Wochen sollten Flüssigabdichtungen auf dem neuen Brückenbauwerk erstellt werden. Tiefe Temperaturen lassen dies aber bald nicht mehr zu. Deshalb sind Alternativen (Schutzzelt, Heizen etc.) gefragt. Sie werden die Möglichkeiten in einer separaten Sitzung bestimmen. 

9:30     Tenuwechsel – es geht ab auf die Baustelle. Michael zieht die vorgeschriebene Warnweste, den Helm und gute Schuhe an. Dann bricht er auf zu einem Rundgang auf der Baustelle. Das flexible Baubüro steht aktuell direkt neben der Autobahn und so erreicht er alles zu Fuss.

 

Im Ausfahrtsbereich St. Jakob werden zurzeit die Fundamente für das Fahrzeugrückhaltesystem und die neuen BSA-Schächte erstellt. Mit dem Vorarbeiter klärt er die anstehenden Arbeiten und kontrolliert die Armierung der Fundamente.

Anschliessend geht er auf das neue Brückenbauwerk. Die Brückenplatte ist fertig betoniert, die Schal- und Armierungsarbeiten an den Konsolköpfen sind in Ausführung. Leider sind die Arbeiten im Fundamentbereich etwas in Verzug, was sich auch auf die Abdichtarbeiten auswirkt. Grund dafür ist der schlechte Baugrund.

Im Ausfahrtsbereich der A2 Richtung St. Jakob müssen bei der Brücke Obj. 1.058 die Fundation abgesenkt und die Widerlagerwände erhöht werden. Die Unterfangungs-Arbeiten sind zurzeit in Ausführung.

Weiter sind die Arbeiten am Fahrzeugrückhaltesystem sowie an den Randabschlüssen in Arbeit. Mit dem zuständigen Polier bespricht er kurz die die anstehenden Arbeiten.

11:05   Zurück im Baubüro. Erneut checkt Michael seine E-Mails. Eine Nachricht beunruhigt ihn. Die Richtigkeit der durchgeführten Druckprüfung einer lecküberwachten Druckleitung wird angezweifelt. Sofort sieht er die Protokolle durch. Die Unklarheiten wird er mit dem Unternehmer in einer separaten Sitzung besprechen. Später wird sich zeigen, dass die Druckprüfungen in Ordnung waren. 

11:45    Zeit zum Mittagessen. Wie jeden Mittwoch wird auch heute der Grill vor dem Baubüro aufgestellt und gemeinsam grilliert. Das gehört dazu und schweisst sein Team zusammen. Klar wird dabei auch über die Arbeit gesprochen. Aber nicht nur – und das Gesellige steht klar im Vordergrund. Wer mag, darf sich der Runde jeweils gerne anschliessen.

Die Gesamtsanierung des Autobahnabschnittes unter Verkehr, mit Erstellen von Hilfsbrücken, Sanierung von total 70 Kunstbauten, Erstellen von SABA (Strassen-Abwasser-Behandlungs-Anlage), Totalersatz des Fahrbahnbelags, Werkleitungsarbeiten, Fahrzeugrückhaltesystemen, Lärmschutzwände etc. generiert Kosten von rund 190 Millionen Franken. Dem Erhaltungsprojekt ist sogar eine eigene Webseite gewidmet.

 

12:30    Jetzt kommt die Ausschreibung an die Reihe. Auf der Website des Kantons Basel-Landschaft findet Michael die aktuellen Submissions-Formulare und lädt sie herunter. Nun beginnt der Papierkram.

13:15    Das Handy klingelt. Der Polier vom Vormittag. Er hat nochmals Fragen zu den Anpassungsarbeiten am bestehenden Fahrzeugrückhaltesystem. Michael instruiert ihn. Die Details klärt er mit ihm beim nächsten Baustellenrundgang direkt vor Ort.

14:15    Kurze Besprechung mit dem Chefbauleiter BSA (Elektro). Es geht um die Beschilderungen auf der Autobahn.

14:38    Projektwechsel. Vom Baubüro aus klärt Michael mit der Gleisbaufirma den Bauablauf und die Möglichkeiten einer Stopfmaschine, die für Arbeiten bei der Waldenburger-Bahn vorreserviert wurde. Per E-Mail schicken sie ihm die Datenblätter von zwei verschiedenen Stopfmaschinen. Diese leitet er zur weiteren Bearbeitung intern an die Abteilung Spezialbereiche weiter.

15:00    Wieder widmet sich Michael den Submissionsunterlagen für die Kantonsstrasse.
Knapp eine halbe Stunde später piept der Computer erneut. Eine E-Mail mit Abdichtungsprodukten trifft ein. Michael sieht sich die Produkte an und leitet sie an den Bauherrn weiter. Der wird sich freuen. Die Produkte lassen sich nämlich auch bei schlechteren Wetterbedingungen verarbeiten.

15:55    Kurze interne Besprechung mit den Bauleitungskollegen. Thema sind die morgige Koordinationssitzung mit dem Nachbar-Los (Tunnel Hagnau), der  Belagseinbau im Tunnel sowie das Einrichten der nächsten Verkehrsphase. Dabei sind wir zuständig für die richtige Koordination.

16:15    Michaels Arbeitstag ist zu Ende.

Erst als stiller Beobachter auf der Baustelle wird man sich bewusst, wie gefährlich die Arbeit an und auf der Autobahn ist. Die Fahrzeuge rasen über die Umfahrungsstrasse nur so an einem vorbei. Jeder Schritt zählt - jede Unachtsamkeit hätte fatale Folgen. So gilt immer höchste Konzentration bei der Arbeit und die Sicherheit der Mitarbeitenden geht immer vor.

Rapp plant und begleitet viele weitere Projekte in den Bereichen Infrastruktur & Umwelt, Tragwerksplanung, Generalplanung und Sicherheit. Beachten Sie dazu unsere Referenzen.

Michael Jung arbeitet seit 28 Jahren bei Rapp, seit über 20 Jahren als Bauleiter.
In der Ingenieurgemeinschaft mit Gruner, dsp und Bänziger+Partner ist er in der Funktion des Chefbauleiters INGE Trasse/Umwelt und Kunstbauten (Brücken/Stützmauern) verantwortlich und führt das Bauleiterteam mit bis zu vier Bauleitern. Das betrifft die gesamte Erneuerung der Nationalstrasse im Gebiet Schänzli, bestehend aus der Verzweigung Hagnau und der H18 zwischen dem Schänzli-Tunnel und der Birsbrücke in Münchenstein.

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Der Job als Bauleiter ist enorm vielfältig. Oft betreut er mehrere Projekte gleichzeitig. Organisationstalent, Planungsgeschick und gute Fachkenntnisse sind gefragt, damit einem die Arbeit nicht über den Kopf wächst. 

Mehr zum Beruf als Bauleiter/in im Interview mit Stephanie Költzsch, diplomierte Technikerin HF Bauplanung / Ingenieurbau