Der Rückzug des Bargelds als flächendeckendes, anonymes Zahlungsmittel sorgt in Teilen der Bevölkerung wie auch in der Politik für kritische Stimmen. Dennoch: In der Schweiz besteht keine Pflicht, Bargeld überall zu akzeptieren. Gleichzeitig bleibt das Bedürfnis nach anonymen Reisen bestehen, ohne den subtilen Zwang, persönliche Daten bei jeder kontaktlosen Zahlung preiszugeben. Um genau diese Lücke zu schliessen, bietet der öV Schweiz eine einfache Alternative. Die «Prepaid Card». Sie lässt sich anonym nutzen und bequem mit Bargeld aufladen. So bleibt auch in einer zunehmend digitalen Ticketwelt die Möglichkeit erhalten, unterwegs zu sein, ohne digitale Spuren zu hinterlassen.
Vom Prepaid Ticket zum Postpriced- und Postpaid-Ticketing
2016 setzten die ersten Pay-as-you-go Apps einen Wendepunkt im Schweizer Ticketing. Einchecken und auschecken – mehr braucht es seither nicht, damit im Nachhinein automatisch der günstigste Tarif berechnet wird. Ohne Tarifkenntnisse, ohne Planungsdruck für die Nutzer:innen, dafür mit maximaler Spontaneität. Genau diese Einfachheit treibt die Beliebtheit des Modells bis heute an, selbst wenn der Preis vor der Reise nicht fix feststeht.
Per Ende 2025 erreichte das «automatische Ticketing» einen weiteren Höhepunkt. Erstmals überholte es die klassischen Automatenverkäufe und schob sich auf Platz 2 der wichtigsten Vertriebskanäle in Bezug auf den Absatz. Und die Entwicklung geht weiter. Aktuell arbeitet die Schweizer öV-Branche an einem neuen Tarifsystem. myRIDE, das auch auf Post-Pricing setzt, wird den Weg zu noch intuitiveren, nahtlosen Reiseerlebnissen ebnen.
Ausblick
Derzeit diskutiert die Branche, wie im Schweizer öV langfristig neben den rein digitalen, appbasierten Verkaufskanälen eine verlässliche vertriebliche Grundversorgung gewährleistet werden kann. Dabei ist die Abwägung zwischen einfacher Bedienbarkeit für die Zielgruppen, Tarifgenauigkeit und Kosten zu machen. Gleichzeitig zeichnen sich Themen ab, die den Diskurs in den kommenden Jahren prägen werden:
- Von Check‑in/Check‑out (Pay-as-you-go) zu Be-in/Be-out: Ticketing-Systeme sollen künftig ohne aktives Ein- oder Auschecken funktionieren. Die Fahrt wird automatisch erkannt, die Kund:innen müssen nichts mehr tun.
- Dynamic Pricing: Schon heute werden zur Auslastungssteuerung im öV an Randzeiten günstigere Tarife angeboten. Künftig könnten Preise noch flexibler werden – abhängig von Nachfrage, Tageszeiten und Strecke. Eine vollständige dynamische Preisgestaltung liesse sich jedoch nur im grösseren Rahmen eines allgemeinen Mobility Pricings sinnvoll denken.
- Multi‑Modalität & Plattformintegration: Der anfängliche Hype um nahtlos verknüpfte Mobilitätsangebote mag abgeflaut sein, doch die Richtung ist klar. Die verschiedenen Verkehrsträger von öV, Sharing- und onDemand-Angeboten wachsen zunehmend zu einem echten Mobilitätsökosystem zusammen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann diese Integration im Alltag spürbar wird.